PLANEN

Adolf Krischanitz, introduction to the exhibition "Planen" at the Secession, Vienna, 1993

Adolf Krischanitz
PLANEN
Einführung in die Ausstellung Planen von Karl-Heinz Klopf in der Secession, Wien, 1993

Ein Labyrinth von Bildkörpern mit Planausschnitten am Boden, die Kaschierung, von Bildklischees, die statische Einstellung eines Platzraumes auf einem Monitor, eine fragmentierte Buchstabenreihe auf einer raumhohen Plane sind die Elemente einer Ausstellung, die Karl-Heinz Klopf in drei Etagen des Hauses vorführt. Die mehrfach stellvertretenden Wirklichkeiten kulminieren auf den ersten Blick zu einer konkreten Poesie, deren abstrakte Durchgängigkeit nach dem Schlüssel suchen lässt, der uns ein auf den ersten Blick abwesendes Prinzip eröffnet. Die Anwesenheit von Welt in den Artefakten ist evident, jedoch in Zeichen, die pars pro toto nur das zeigen, was sich zeigen lässt.

Das Monitorbild, der fragmentierende Ausschnitt, die (Über-)Kaschierung, die schematische Darstellung (Grundriss) sind letztlich Übersetzungen in eine stark abstrakte, jedoch einfach und eindeutig lesbare Piktogrammatik, ohne die traditionellen Bildproduktionsmittel aufzugeben. Der mehr oder minder konkreten Abwesenheit des Ortes oder des Sujets zugunsten einer all Gemeineren Auffassung vom Ort als Typus steht die Anwesenheit des Bildes gegenüber. Das heißt, die bestimmende Präsenz des Bildes hebt das Sujet oder den Ort auf und lässt dieses oder diesen in der generierenden Mechanik des Bildapparates untergehen. Gerade die Planobjekte als räumliche Gebilde kontrastieren die zweidimensionalen schematischen Grundrisszeichnungen derart, dass die „Höhentiefe“ des Bildes gleichsam eine allegorische Verlängerung der Grundrisszeichnung in die dritte Dimension bewirkt, ohne dass die Zeichnung dies zum Beispiel mittels Perspektive tut. Durch das konstruierte Diagramm (Grundriss) wird ein aus der Abwesenheit generiertes Produkt erzeugt, welches wir Erinnerung nennen und die Funktion einer menschlichen Syntheseleistung ist: der Zeit.

Die Kaschierung gibt nur eine Ahnung von dem unterlegten „Klischee“ und wirkt damit wie ein Nachbild eines verschwundenen Bildeindruckes. Zu den vorhin beschriebenen abwesenden Orten gesellt sich hier das nur mehr zu ahnende Sujet. Klopfs Bilder fordern nicht die Energie vom Betrachter in Folge der Dynamisierung der planen Bildfläche (Komposition, Verfremdung u. ä.), sondern sie schichten den Erzeugungsprozess auf und ab im Sinn einer oszillierenden zeitlichen Tiefenstruktur des Werdens und Vergehens von Bild. Auch das Verschwinden des Motivs schreibt sich in den Prozess der Entstehung ein. Die kleinere Dynamik des Bildaufbaus, der Komposition, der Auflösung etc. wird zugunsten einer größeren Bewegung der existentiellen neuen Wirklichkeit von Bild aufgehoben, ohne das alte Bild als Wahrnehmungsapparat zu entlassen.

 

Erschienen in: Karl-Heinz Klopf – Planen, Secession, Wien, 1993.

Adolf Krischanitz
PLANEN
Introduction to the exhibition Planen by Karl-Heinz Klopf in the Secession Vienna

A labyrinth of objects with sections of plans on the floor, the concealing of visual clichés, the static adjustment of a city square on a monitor, a fragmentary sequence of letters on a room-sized tarpaulin, are the elements of an exhibition Karl-Heinz Klopf presents on three floors of the Vienna Secession building. These multiple representative realities culminate at first glance in a poésie concrète whose abstract universality makes us look for a key that reveals at once an absent principle. The presence of world in these artifacts is evident even though in signs that show pars pro toto only what can be shown.

The monitor image, the fragmenting section, the concealing, the schematic representation (ground-plan) are in the last analysis translations into highly abstract yet simply and unequivocally legible pictograms without reliquishing traditional means of picture production. The more or less real absence of place or subject in favor of a general interpretation of place as prototype contrasts with the presence of the picture. That is, the determining presence of the picture neutralizes the subject or the place and obliterates both in the generating mechanics of the picture structure. Particulary the „plan objects“ contrast with the two-dimensional schematic ground-plans in a way that the „height“ of the picture causes, as it were, an allegorical extension of the ground-plan into the third dimension albeit there is no indication in the drawing through perspective. The constructed diagram (ground-plan) represents a product generated from absence that we will call recollection being the function of human accomplishment of synthesis: time.

The concealing merely presents a faint allusion of the underlying cliché thus being more an after-image of a vanished visual impression. The above-mentioned absent places are here joined by a subject that can only be divined. Karl-Heinz Klopf’s pictures do not demand the spactator’s energy due to the dynamization of the plane surface (composition, alienation, etc.) but they pile the process of creation up and down in the sense of an oscillating temporal depth-structure of appearing and disappearing of picture. Also the vanishing of the motif enters into the process of creation. The lesser dynamics of picture structure, composition, dispersion, etc. are neutralized in favor of more motion of the existential and new picture reality – without abandonning the former picture/image as a perceptual device.

 

Published in Karl-Heinz Klopf – Planen, Secession, Vienna 1993
Translation from German by Siegwald Ganglmair