2010
Static Gallery / Liverpool Biennial
Photos: Alexandra Wolkowicz
DE
Karl-Heinz Klopf hat ein großes Interesse an der baulichen Umgebung von Städten. Der Alltag begeistert ihn. Er ist viel zu Fuß unterwegs und liebt es, mit Menschen zu sprechen. Unterwegs sammelt er Geschichten und Beobachtungen und versucht Verbindungen zwischen Menschen und dem, was er sieht und hört, herzustellen.
In den letzten fünf Monaten ist er durch Everton, Anfield und Breckfield im Norden Liverpools gelaufen und hat mit außergewöhnlichen Menschen in Stadtvierteln, die sich im Umbruch befinden, gesprochen. Da ein Großteil des Gebiets einer Erneuerung unterzogen wird, beschreiben viele ihrer Geschichten frühere Versuche, die Lebensbedingungen vor dem Hintergrund eines Bevölkerungsrückgangs zu verbessern. Es gibt nicht nur Geschichten, sondern auch Gemälde, Petitionen, Flyer und andere Publikationen, die diese Kämpfe für (und gegen) Veränderungen dokumentieren. You’re Having a Laugh bringt die Menschen, ihre Geschichten, Objekte und Kunstwerke zusammen.
Karl-Heinz sieht Zusammenhänge. Das Netzwerk aus miteinander verwobenen sozialen Gruppen, denen er während seines Aufenthalts begegnet ist, wird schematisch auf einer überdimensionalen schwarzen Tafel dargestellt. Ergänzt wird das Diagramm durch Skizzenbücher, Zeichnungen, Videos und einige ganz besondere Objekte, die für die Ausstellung gefunden und ausgeliehen wurden.
Betrachtet man die Stadt als einen Geisteszustand und das Diagramm als den Anfang einer Karte, dann verstehen wir, wie das Verschwinden der bebauten Umwelt einen starken Einfluss auf die Gemeinschaft hat, nicht nur räumlich, sondern auch auf unsere Fähigkeit, uns über die Zeit hinweg zu verbinden. Vor dem Haus zu stehen, in dem Ihre Großmutter einst lebte, bedeutet auch, mit ihr zusammen zu sein. Wenn Sie daran zweifeln, lassen sie sich von dem Wiener Psychoanalytiker Sigmund Freud bestärken, der die historischen Schichten der Stadt mit unserem Unterbewusstsein verglich. Wir brauchen diese Schichten, um unser Wissen zu aktivieren, unsere Vorstellungskraft anzuregen und Chancen zu ergreifen – in unserem Geist und in unserer Umgebung.
You’re Having a Laugh ist somit eine Reihe von Ausgangspunkten, Fragmente von Perspektiven, die wie eine Bühne für eine Aufführung aufgebaut sind. „Ich habe so viele leidenschaftliche Menschen getroffen, die entschlossen sind, in ihren Nachbarschaften Chancen zu schaffen und Veränderungen herbeizuführen. Meine Installation soll die Verbindungen zwischen ihnen allen im Rahmen eines großartigen Abends darstellen. Der Titel You’re Having a Laugh selbst wird als weiteres Fragment im Patchwork des Projekts betrachtet. Das Gesamtbild der Veranstaltung entspricht in gewisser Weise meinem Bild von der Stadt Liverpool.“ (Paul Domela)
(You’re Having a Laugh; Einzelausstellung, Installation mit Aquarellen von Frank Green, Performance mit The Young Kicks und Sam Avery; Static Gallery / Liverpool Biennale, kuratiert von Paul Domela, Liverpool, England; Jänner 2010)
EN
Karl-Heinz Klopf has a keen interest in the build environment of cities. Everyday life excites him. He walks a lot and loves talking to people. Along the way he picks up stories, observations and tries to make connections between people and what he sees and hears.
Over the last five months he has walked and talked across Everton, Anfield and Breckfield in North Liverpool meeting extraordinary people in neighbourhoods trapped in transformation. With much of the area undergoing regeneration many of their stories describe previous attempts to improve conditions against the backdrop of a declining population. There are not only stories, but also paintings, petitions, flyers and other publications record these struggles for (and against) change. You’re Having a Laugh brings the people, their stories, objects and artworks together.
Karl-Heinz sees connections. There is a network of interwoven social groups encountered by him during his residency is presented diagrammatically on an oversized black board. The diagram is supported by sketch-books, drawings, videos and some very special objects found and loaned for the occasion.
Consider the city as a state of mind and the diagram as the beginning of a map. We understand how the disappearance of the build environment has a powerful effect on community not just in space but also in our ability to connect through time. To stand in front of the house where your grandmother once lived is also to be with her. If in doubt, feel supported by the Viennese psychoanalyst Sigmund Freud who likened the historical layers of the city to our subconscious. We need the layers to activate our knowledge, trigger the imagination and grab hold of opportunities – in our minds and in our environment.
You’re Having a Laugh is thus a set of starting points, fragments of perspectives set up like a stage-set to be performed. “I have met so many passionate people, determined to create opportunity and change in their neighbourhoods. My installation aims to present the links between them all in the context of a great night out. The title You’re Having a Laugh itself is considered as another fragment in the patchwork of the project. The whole picture of the event matches somehow my picture of the city of Liverpool.” (Paul Domela)
(You’re Having a Laugh; solo exhibition, installation included aquarells by Frank Green, performance with The Young Kicks and Sam Avery; Static Gallery / Liverpool Biennial, curated by Paul Domela, Liverpool, England; January 2010)